Tibet (13.-22.11.2014)
Am Donnerstag ging unsere Reise weiter. Wir flogen mit Air
China von Kathmandu nach Lhasa. Der Flug hatte etwas Verspätung (die
Arbeitsweise der Nepalesen lässt grüssen :-)). Die Aussicht
war toll und wir konnten das ganze Himalaya-Gebirge betrachten. Es kam uns vor,
als hätten wir einen Alpenrundflug gemacht.


Nach ca. 1h 20 Minuten sind wir gut
in Lhasa angekommen und nach einigen Grenzformalitäten standen wir dann auch
offiziell auf chinesischem Boden. Lhasa liegt auf fast 3700 müM und das haben
wir auch bemerkt, das Atmen viel uns etwas schwerer. Vom Flughafen zur Stadt
dauerte es ca. 90 Minuten mit dem Auto und der Weg führte uns an einer
spannenden Landschaft mit Bergen, Seen und Flüssen vorbei. Hier ist es sehr
ruhig im Gegensatz zu Kathmandu. Auch die Strassen sind in einem guten Zustand
und alles sieht geregelter aus. Beim Hotel Yak wurden wir von unserem Guide
Pema begrüsst, haben in das schöne Zimmer eingecheckt und etwas gegessen. Da
wir die Höhe merkten (Kopfschmerzen, Müdigkeit) gingen wir früh schlafen. Die
erste Nacht überstanden wir einigermassen gut. Am nächsten Tag ging es schon
viel besser und am Tag drauf hatten wir uns bereits sehr gut daran gewöhnt,
einzig das Treppen steigen bringt uns noch schnell ausser Atem.
In unserer Reisegruppe sind 7 Personen (1 Paar aus Belgien, 1
Holländer, 1 Spanierin, 1 Engländer und wir, alle etwa im gleichen Alter). Am
Freitag ging es bereits mit Sightseeing in Lhasa los. Wir besuchten zunächst
das Drepung-Kloster, es war einst das grösste Kloster von Tibet, wo 10‘000
Mönche lebten. Hier hat Dalai Lama gelebt, bevor der Potala Palast gebaut
wurde. Im Moment ist Nebensaison und daher hat es fast keine Touristen aber
dafür umso mehr Einheimische, welche zu den Klöster pilgern und Yakbutter
opfern sowie unermüdlich an den Gebetsmühlen drehen. Für uns ist das sehr
eindrücklich, einen Teil des Lebens der Tibeter so authentisch und hautnah mitzubekommen.


Am Nachmittag sind wir zum Sera Kloster gefahren. Hier gibt
es Mandalas aus Sand zu bestaunen, welche von Mönchen als eine Art Meditation
erstellt werden. Ebenfalls haben wir eine uralte Druckerei mit den Original-Schriften
aus den vergangenen Jahrhunderten angeschaut. Und das Highlight waren die
debattierenden Mönche! Sie treffen sich auf einem Platz jeweils am Nachmittag
und „üben“ lauthals das Debattieren. Sie philosophieren miteinander über ein
Thema, stellen Fragen und geben Antworten. Dabei klatschen sie immer wieder in
die Hände und gestikulieren wild.

Was uns sehr erstaunt hat, ist der grosse Einfluss sowie die
Omnipräsenz der Chinesen. Einerseits haben sie hier eine gute Infrastruktur aufgebaut,
alles ist auf Chinesisch angeschrieben und es hat viele moderne Gebäude und sogar
mehrere Shoppingcenters. Andererseits ist jedoch auch die strenge Überwachung der
Chinesen spürbar. Überall hat es Polizisten, Militär und Überwachungskameras,
was auch sehr abschreckend wirkt und die Unterdrückung der Tibeter spür- und
sichtbar macht. Auch in den Klöster hat es überall „Spione“, die uns hinterher
liefen und genau zuhörten, was unser Guide erzählt. Über den aktuellen Dalai
Lama darf nicht gesprochen werden. Unser Guide ist Tibeter und wird deshalb besonders
„beobachtet“. Als wir vor dem Potala Palast standen und Pema (unser Guide) uns
einiges erklärte, waren wir plötzlich von 5 bewaffneten Polizisten umkreist die
keinen halben Meter Abstand zwischen uns hatten um auch ganz sicher zu gehen,
dass Pema uns nichts „falsches“ erzählt… das war ein sehr komisches Gefühl.
Ebenfalls sind auch sehr viele Internetseiten gesperrt respektive zensiert, wie
auch z. B. Facebook, 20Minunten, Blick oder unser Reiseblog.
Am zweiten Tag kam eines der Highlights: der Potala Palast. Der
Potala Palast war das Regierungs- und Verwaltungsgebäude von Tibet und hier hat
der Dalai Lama gewohnt. Heute sind viele Räume nicht zugänglich. Jedoch konnten
wir einige wichtige Räume besichtigen und schauen wie der Dalai Lama gewohnt
hat. Ebenfalls konnten wir Statuen und Gräber von früheren Dalai Lamas
besichtigen.
Am Nachmittag haben wir einen wichtigen Tempel, der „Jokhang
Tempel“ besichtigt. Dies ist der heiligste Tempel von Tibet und wurde von einem
ehemaligen König vor 1300 Jahren errichtet. Hier ist eine 1300 Jahre alte
Statue der Prinzessin zu sehen. Rund um diesen Tempel ist die Barkhor Strasse.
Hier laufen viele Mönche und Tibeter im Uhrzeigersinn herum um zu meditieren. Man
kann sagen, dass hier wohl noch das ursprüngliche Tibet zu sehen ist.

Am Sonntag hatten wir unseren „freien“ Tag ohne Programm. Wir
sind in ein Einkaufszentrum gegangen, entlang der Barkhor Strasse mit den
Pilgern gelaufen und haben auf einer Dachterrasse Masala-Tee getrunken und das
tibetanische Leben in Lhasa beobachtet. Wir waren absolut die einzigen
Touristen und wurden von den einheimischen Personen zum Teil wie von einem
anderen Planet angeschaut/angestarrt. Sie sprechen kein einziges Wort englisch,
aber mit einem lächeln versteht man sich überall auf der Welt auch ohne
gemeinsame Sprache. Zudem haben wir uns dann auch noch mit warmen Mützen und
Schälen eingedeckt, damit wir auch für die kommenden Tage in Höhen von über
5000 müM ausgerüstet sind.

Nun sind wir wieder in Kathmandu und blicken auf spannende
Tage auf dem Dach der Welt zurück. Wir fuhren von Lhasa nach Gyantse, vorbei am
wunderschönen See „Yamdrok Tso“, der türkisblau in der schönen Landschaft
leuchtete. Dabei haben wir bereits den ersten Pass über 5000 müM überquert.
In
Gyantse haben wir das Kloster „Pelkor Chode“ mit dem schönen Stupa „Kumbum“
besucht.
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| typisch tibetanisches Restaurant |
Am nächsten Tag ging es weiter nach Shigatse. In Shigatse haben wir das
Kloster „Tashilumpo“ besucht, wo der Panchen Lama seinen Sitz hat. Dort hatte
es eine Buddha-Statue, die 21.6 Meter hoch ist. Anschliessend ging es weiter
via Sakya, wo wir ein weiteres (und das letzte unserer Reise) Kloster
besuchten. Die Klosterbesuche waren sehr spannend, vor allem auch wegen den
einheimischen Pilgern und dank unserem Guide Pema erhielten wir sehr spannende
Informationen. Wir übernachteten in Shekar auf 4300 müM, wo wir bereits kein
fliessendes Wasser mehr hatten, da die Leitungen eingefroren waren (es ist zwar
erst Herbst hier!).
In Tibet assen wir viel Reis mit Yakfleisch. Einmal haben wir
in einem einheimischen Restaurant ein typisches tibetanisches Abendessen
genossen. Das war sehr lecker und wir haben auch den in Tibet sehr populären Yakbutter-Tee
probiert.
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| erster Blick zum Mount Everest |
Am nächsten Tag begann dann das wirkliche Abenteuer unserer
Reise. Während ca. 3 Stunden ging es auf einer Offroad-Strasse auf 5200 müM.
Dort ist das Dörfchen Rombuk mit dem höchstgelegenen Kloster der Welt. Ca. 7 Km
weiter erreichten wir dann das Basecamp vom Mount Everest.
Wir waren
überwältigt von der Aussicht, denn wir standen nun am Fuss des höchsten Berges
der Welt (8‘848 müM!!).
Wir übernachteten in Rombuk auf 5200 müM, was
einerseits sehr kalt und andererseits auch anstrengend war wegen der extrem dünnen
Luft. Heizungen gibt es leider keine in ganz Tibet – weder in den Häusern, noch
in Restaurants oder gar Fahrzeugen. Aber es gibt Öfen, wo mit Yak-Dung geheizt
wird (meistens im Aufenthaltsraum). So hatten wir wenigstens während des Essens
etwas wärmer.
Am Freitag ging es wieder 3 Stunden über die Holperstrasse
nach unten und via Old Tingri zur Grenzstadt Zhangmu. Einen 5000er Pass mit
sensationeller Sicht auf das Himalayagebirge überquerten wir noch,
anschliessend ging es nur noch bergabwärts, bis wir schlussendlich wieder Bäume
und grüne Landschaften sahen.
Die Strassen in Tibet sind sehr gut und es gibt überall
Checkpoints wegen der Geschwindigkeit (und wahrscheinlich dient dies auch zusätzlich
der Überwachung durch die Chinesen!). So heisst es beispielsweise, wie viel
Zeit man mindestens brauchen muss zum nächsten Checkpoint. Wenn wir früher
ankamen, haben wir die restliche Zeit noch die „Aussicht“ genossen, eine
zusätzliche Pinkelpause eingelegt oder interessante Häuser am Strassenrand
besichtigt.
Wir übernachteten in der Grenzstadt Zhangmu und am Samstag
mussten wir dann unserem Guide Pema tschüss sagen. Als Tibeter besitzt er
keinen Pass und darf somit nicht nach Nepal oder in andere Länder reisen. Die
Grenzformalitäten in China waren sehr streng mit vielen Kontrollen. Die Grenze
passierten wir zu Fuss über die Friendship-Brücke. Kaum in Nepal angekommen,
merkt man, dass man wieder in einer anderen Welt ist. Es verlief alles viel
freundlicher, aber auch chaotischer.
Von Zhagmu fuhren wir via Kodari nach
Kathmandu. In Kodari ist im August ein schlimmer Erdrutsch passiert, dabei ist
ein ganzes Dorf verschwunden und es hat sich ein Damm gebildet. Dadurch wurde
das Wasser des Flusses zurückgestaut und es bildete sich ein See. Der See ist
noch immer sichtbar und es wurde ein neuer Weg für die Autos gemacht. Die Fahrt
über den neuen „Pfad“ war sehr abenteuerlich und wir waren froh, als wir sie
gut überstanden hatten.
Zum Zmittag gab es wieder einmal „Dhal Bhat“ (Reis mit
Linsen und Gemüse) und wir fühlten uns wieder „zuhause“ in Nepal. In Kathmandu
verbrachten wir eine Nacht und genossen noch einmal die freundlichen Leute, den
feinen Masala-Tee und das nepalesische Leben.
Tibet hat uns sehr gut gefallen und es war einmalig, was wir
alles erlebt haben. Wenn wir zurückdenken, fühlen wir uns, als seien wir in
einer anderen Welt gewesen.
Unsere Reise geht nun weiter nach Kuala Lumpur mit einem
2tägigen Stop-Over, bevor es nach Myanmar weiter geht.